In Leverkusen gibt es 14 Oasen für Flora und Fauna. Die Naturschutzgebiete und deren Pfleger von der Naturschutzstation leiden darunter, dass Spaziergänger, Jogger und Radler Schilder schlichtweg ignorieren.
biesenbach Eine ganze Reihe von Wasserläufern macht ihrem Namen alle Ehre. Knapp über der Wasseroberfläche des Gewässers – Arbeitsname “Ringteich” – schillern Libellen im Licht. Die malerische Naturkulisse lässt das Gelände unweit der Ortschaft Biesenbach wie eine Oase inmitten der Großstadt erscheinen. Dieser Eindruck trügt nicht, handelt es sich bei der Wiembachaue doch um eines von derzeit (nur) 14 Naturschutzgebieten in Leverkusen. “Wenn Sie sich auf die Brücke über den Wiembach stellen, sehen sie über kurz oder lang sogar einen Eisvogel”, sagt Frank Gerber.

Der Eisvogel brütet nicht mehr
Der Diplom-Ingenieur für Landschaftspflege arbeitet wie seine Begleiterin, Biologin Claudia Heitmann, für die Naturschutzstation des Naturschutzbundes Nabu, die für die Betreuung der Leverkusener Schutzgebiete zuständig ist. Das ist nicht immer ein einfacher Job. Der Eisvogel zum Beispiel flog und jagte früher nicht nur in der Wiembachaue, sondern brütete dort auch. Das wurde schon seit Jahren nicht mehr beobachtet. “Und das hat viel mit den Trampelpfaden am Bach zu tun. Dadurch ist gerade am Steilufer viel zu viel Unruhe”, erklärt Gerber.
Spaziergänger und Radfahrer ignorieren die Schilder, die meist schon nach kurzer Zeit nicht mehr stehen. Neulich hat der Naturschützer sogar eine ganze Schulklasse samt Lehrer beim Joggen auf jener Strecke gesehen, die eigentlich tabu sein sollte für die Öffentlichkeit.

Pflege fürs Naturschutzgebiet
Falsche Vorstellungen von Naturschutzgebieten machen die Mitarbeitern der Station ebenfalls zu schaffen. Nachbarn kippen Grünschnitt ab im Glauben, der sei gut für die Umwelt an dieser Stelle. “Dabei werden dadurch sowohl fremdländische Pflanzen eingebracht als auch zu viel Nährstoffe. Das kann verschiedenen Pflanzen auch schaden”, erläutert Heitmann. Immer wieder muss sie sich rechtfertigen für Arbeiten im Naturschutzgebiet. “Es müssen schon einmal Bäume herausgenommen, Wiesen gemäht, Gebüsche beschnitten oder für Teiche ein kontrollierter Ablauf geschaffen werden. Ohne Eingriff würde die Tier- und Pflanzenwelt in den Naturschutzgebieten bedroht.” Dass sich der Einsatz lohnt, dafür ist die Wiembachaue ein gutes Beispiel. Dort gibt es unter anderem Wasseramseln, diverse Molcharten, Erdkröten, Ringelnattern, Hochstaudenfluren, Erlenbruchwald, Schilf- und Seggenbestände.

Info: Die 15. Oase
Die bestehenden Naturschutzgebiete in Leverkusen: Glöbuscher und Benscheider Wiesen (5,77 Hektar), Erlenbruch im Bürgerbusch (1,09 ha), Sumpfgebiet im Ölbachtal (4,34 ha), Wiembachaue (11,64 ha), Gronenborner Fischteiche (1,16 ha), Wupperhang mit Henkensiefen und Hüscheider Bachtal (zusammen 34,86 ha), Krapuhlsee (8,2 ha), Eichen-Hainbuchenwald in der Wupperschleife (3,4 ha), Bachaue des Bürgerbuschbaches (18,44 ha), ehemalige Kiesgrube am Südring (2,36 ha), Wupperinsel (5,34 ha), Southerberg (14,28 ha) und das neu unter Schutz gestellte Pintschölgelände. 15. Naturschutzgebiet soll der Buschbergsee in Hitdorf werden.

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Artikel von Tobias Krell, mit freundlicher Genehmigung der Rheinischen Post